Allgemein

25Apr 2018

Nach dem Verkauf der UKW-Antennen streiten sich die neuen Eigentümer mit den Sendern – es geht um viel Geld

Der Machtkampf um die Verbreitung des UKWRadios spitzt sich zu. Bereits Anfang April drohte rund zehn Millionen Radiohörern ein UKW-Blackout. Der bisherige Eigentümer hatte die gesamten UKW-Antennen vor wenigen Monaten verkauft. Nun stehen auf der einen Seite die neuen Besitzer der UKW-Antennen, über die Radioprogramme ausgestrahlt werden. Auf der anderen Seite stehen die Betreiber von sogenannten Sendernetzen, die als Dienstleister für Radiosender die technische Übertragung der Senderinhalte übernehmen.

Von diesem Streit, bei dem es um viel Geld geht, sind private wie öffentlichrechtliche Radiosender betroffen, darunter das Deutschlandradio, Radio NRW und der NDR. Eine UKW-Abschaltung in Teilen der Republik konnte zwar Ende März in letzter Minute abgewendet werden – doch das Szenario ist damit nicht vom Tisch.

Denn die beteiligten Unternehmen, die im Kern über die Höhe der Mietpreise für die privatisierten UKW-Antennen streiten, sollen sich zwar auch auf Wunsch der Bundesländer bis Ende Juni einigen. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Zu groß scheinen die Gräben zwischen einer Reihe von neuen Antennenbesitzern und den Netzbetreibern, die von der Nutzung der Antennen abhängig sind.

32 Radioveranstalter aus ganz Deutschland, die täglich 28 Millionen Radiohörer erreichen, darunter Radio FFH, Radio Schleswig-Holstein und Antenne Thüringen, haben den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier darum zum Handeln aufgerufen. In einem Schreiben vom 18. April, das WELT vorliegt, protestieren die privaten Radiosender „gegen die drohende massive und rücksichtslose Abschaltung eines zentralen Mediums der Massenkommunikation“. Nicht nur die Liberalisierung des Radiomarktes sei bedroht, sondern auch die Existenz von Radiounternehmen insgesamt.

Inzwischen hat die für die UKW-Hörfunkfrequenzen zuständige Bundesnetzagentur reagiert. Die Regulierungsbehörde hat in den vergangenen Tagen intensiv geprüft, ob die neuen Eigentümer der Antennen einer Marktregulierung unterworfen werden könnten. „Das ist grundsätzlich möglich“, informierte Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur. Nun müsse geklärt werden, ob es Anbieter auf dem Radiomarkt gibt, die über „beträchtliche Marktmacht“ verfügten, was die Bereitstellung von UKW-Antennen angehe.
Mit anderen Worten: Sie wollen prüfen, ob Antennenbesitzer ihre Position nutzen wollen, um ungerechtfertigt hohe Preise von Netzbetreibern und damit von den Radiosendern zu verlangen. Fest steht für die Netzagentur auf WELT-Nachfrage schon jetzt: „Die Drohung mit einer unmittelbaren flächendeckenden Abschaltung von UKW-Ausstrahlungen ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des deutschen Rundfunkwesens.“
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Die Abschaltung der Sender als Ultima Ratio hatte ursprünglich die Firma Media Broadcast über ihren Chef Wolfgang Breuer in einem WELT-Gespräch ins Spiel gebracht. Media Broadcast war über viele Jahre Besitzer der UKW-Antennen und Sendernetzbetreiber zugleich. Dass diese Firma gleich beide Aufgaben übernommen hatte, liegt daran, dass sie eine Ausgründung der Deutschen Telekom ist, die in Nachfolge der Deutschen Bundespost früher das Monopol auf die UKW-Verbreitung hatte.

Offiziell hat sich Media Broadcast, seit 2016 eine Tochter des Telekommunikationsunternehmens Freenet, von dem Geschäftszweig UKW verabschiedet. Offenbar erschien der Firma das UKW-Geschäft nicht mehr lukrativ genug – Mutter Freenet ist ein börsennotiertes Unternehmen. Darum entschloss sich Media Broadcast letztlich dazu, die Antennen zu verkaufen.

Dieser Verkauf, der vor wenigen Monaten abgeschlossen wurde, war letztlich der Ausgangspunkt für die aktuelle Fehde, die zu dem partiellen Blackout führen könnte. Ein beachtlicher Teil der insgesamt rund 700 Antennen, die Rede ist von rund zwei Dritteln, soll an insgesamt fünf Finanzinvestoren gegangen sein, die bisher nicht auf dem Radiomarkt aktiv waren. Zwar ist von rund insgesamt rund 30 Käufern die Rede, doch in vielen Fällen erwarben einzelne Sender selbst die für ihre Region relevanten Antennen, um möglichst unabhängig zu sein. Die Investoren sehen sich indes nicht an die bisher regulierten Preise gebunden. Kenner des Marktes gehen von geforderten Preiserhöhungen von marktweit mindestens 20 Prozent aus. Was beispielsweise den Sendernetzbetreiber Uplink, der für mehr als 500 UKW-Frequenzen zuständig ist, nach eigener Aussage in erhebliche Schwierigkeiten bringt.

„Sowohl im Vergleich der bisherigen regulierten Preise als auch mit Blick auf einen theoretischen Neubau aller Antennen ist das viel zu teuer“, sagte Uplink-Geschäftsführer Michael Radomski auf WELT-Anfrage. Zahlreiche Standorte seien für Radioveranstalter „nicht mehr wirtschaftlich betreibbar“. Neue Antennen könnten auf den bestehenden Türmen und Masten auch nicht montiert werden, es gäbe dafür schlicht keinen Platz.

Warum nun die Preissteigerungen – obwohl doch eigentlich Preissenkungen das Ziel einer Marktliberalisierung mit mehreren Anbietern ist? Radomski sagt zu dieser Frage: „Wir gehen davon aus, dass die neuen Eigentümer weit überhöhte Preise gezahlt haben, sogar auch mehr als ein Neubau gekostet hätte.“ Diese Ausgaben würden nun weitergegeben. Uplink habe sich selbst um den Kauf von Antennen bemüht, wurde sich aber nicht mit Media Broadcast einig, sagt Radomski.

Während Netzbetreiber Radomski kritisiert, der Verkaufsprozess der Antennen sei seiner Meinung nach „eine Schauveranstaltung“ gewesen, streitet ein Sprecher der Media Broadcast diese Vorwürfe allesamt ab. Die Kaufpreise der Antennen hätten zwischen 30 und 60 Prozent des Wiederherstellungswertes betragen, der dem Neuwert entspricht. „Teilweise steigende Kosten“ seien auf Mieterhöhungen für Funktürme, den Wegfall einer Ausgleichsklausel für besonders unrentable Standorte und letztlich der Kalkulation wirtschaftlicher Marktpreise durch die neuen Eigentümer zurückzuführen, erklärt der Sprecher.

Dass einzelne Marktteilnehmer wie Uplink, die nicht zum Zuge gekommen seien, „im Nachhinein behaupten, die Infrastruktur wäre zu teuer veräußert worden, ist nicht ungewöhnlich“. Dass die fünf Finanzinvestoren alle aus dem Umfeld der Media Broadcast beziehungsweise der Freenet kommen sollen, wie Uplink-Chef Radomski behauptet, dementiert der Sprecher so: „Es gibt keine Verflechtungen zwischen Antennenkäufern und Media Broadcast oder der Freenet AG.“

Die Fronten sind maximal verhärtet, auch die zwischen den jeweiligen Stellvertretern der Firmen. Aufseiten von Sendernetzbetreiber Uplink steht der ehemalige Postminister Christian Schwarz-Schilling als Aufsichtsrat. Er selbst war für die Öffnung des Telekommunikationsmarktes verantwortlich und zeigt sich im Gespräch mit WELT entsetzt über das Vorgehen der neuen Antennenbesitzer: „Durch diese fast schon mafios zu nennende Handhabung ist eine Überführung in den Wettbewerb nicht möglich.“ Auf der Gegenseite positionieren sich der SPD-Politiker Wolfgang Clement und der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma als Aufsichtsräte von Media Broadcast, respektive Freenet. Sie träten, heißt es in einer Stellungnahme, „für freien, fairen und transparenten Wettbewerb“ ein. Am besten „ohne die regulierenden Hände von Politik und Administratoren“.

Der Rückzug der Media Broadcast aus dem UKW-Markt ist perspektivisch nachvollziehbar, denn die Verbreitung von Radiosendern wird sich zwar nicht in den nächsten Jahren, aber doch mittelfristig auf rein digitale Kanäle verlegen. Auch eine Trennung von Antennenbesitz und Sendernetzbetrieb war theoretisch im Sinne der Liberalisierung – der UKW-Markt war das letzte Monopol auf dem Telekommunikationsmarkt. Doch genau dieser Prozess der Entflechtung und der Einführung von Wettbewerb scheint in diesem konkreten Fall nicht zu funktionieren.
Weil die verschiedenen Beteiligten auf einem Markt mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum mit offenbar unvereinbaren Kalkulationen aufeinanderprallen. „Das Vorgehen der Media Broadcast offenbart, dass die Rundfunkverbreitung in Deutschland zum Spielball privater Finanzinvestoren geworden ist“, ätzen jedenfalls die Unterzeichner des Briefes an Wirtschaftsminister Altmaier. Zum Vorwurf, die UKW-Infrastruktur werde zum Spekulationsobjekt, sagt der Sprecher von Media Broadcast: „Das entbehrt jeder Grundlage.“

Quelle: www.welt.de

16Apr 2018

Halle (dpa) – Angesichts der Debatte um die Bezahlung von UKW-Übertragungen hat die Bundesnetzagentur einem Bericht der «Mitteldeutschen Zeitung» Prüfungen eingeleitet. Das Blatt zitierte in seiner Samstag-Ausgabe einen Sprecher, die Regulierungsbehörde prüfe «intensiv und mit Hochdruck, ob und inwieweit nach dem Verkauf der Antennen auf den UKW-Märkten die Erwerber dieser Antennen – insbesondere die Finanzinvestoren – künftig einer Marktregulierung unterliegen». Es würde gegebenenfalls auch der Veräußerungsprozess der Antennen mit in den Blick genommen.

Hintergrund ist, dass der Dienstleister Media Broadcast mit der Privatisierung des Antennenmarktes 2016 den Betrieb übernommen hat, dann aber das Geschäft an mehrere Investoren verkaufte. Daran hängen gut 40 öffentlich-rechtliche und private Sender, die ohne eigene Sende-Infrastruktur sind. Sie haben Sendernetzbetreiber wie etwa Divicon (Leipzig) oder Uplink (Düsseldorf) beauftragt. Diese wiederum müssen nun mit den Antennenbetreibern Mietpreise aushandeln. Das scheiterte bisher. Zuletzt hatten die Sendenetzbetreiber Media Broadcast mit der Fortführung des Übergangsbetriebs bis zum 30. Juni beauftragt.

Beitrag der „Mitteldeutschen Zeitung“

Quelle: www.welt.de

11Apr 2018

UKW? Läuft nicht o. k.

Die Radioverbreitung via UKW geht erst mal weiter. Aber der Streit zwischen Sendernetz- und Antennenbetreibern ist längst nicht gelöst.

Ein altes Radio in einem Bildausschnitt

Waffenruhe: Einstweilen ist der UKW-Empfang noch gesichert Foto: imago/Steinach

„Bis zu zehn Millionen Hörer könnten schon ab kommendem Mittwoch von einer Abschaltung ihrer UKW-Radiosender betroffen sein“, hatte Media-Broadcast-Chef Wolfgang Breuer in der vergangenen Woche in der Welt gedroht. 40 Radioveranstalter waren betroffen, darunter auch der NDR in Mecklenburg-Vorpommern oder der MDR.

Die Drohung ist mittlerweile wieder vom Tisch. Bis 30. Juni will Media Broadcast den Sendebetrieb aufrecht erhalten. Also: Alles wieder gut? Nein. Ganz im Gegenteil. Die Frist bis zum 30. Juni ist nicht mehr als eine Art Waffenstillstand, um allen Beteiligten Zeit zu geben für Friedensverhandlungen.

Wie angespannt die Situation ist, lässt sich in einem Brief nachlesen, den am Sonntag Christian Schwarz-Schilling (der mal Bundesminister für Post und Telekommunikation war) an Helmut Thoma geschickt hat (der jahrelang RTL-Chef war). Schwarz-Schilling ist heute Gesellschafter und Beiratsvorsitzender von Uplink, einem Sendernetzbetreiber. Helmut Thoma ist heute Aufsichtsratsvorsitzender der Freenet AG, zu der auch Media Broadcast gehört.

Schwarz-Schilling schreibt, dass ja gerade das Geschäftsmodell der Freenet AG „auf der ausgewogenen und erfolgreichen Liberalisierung von Telekommunikationsmonopolen“ basiere. Und mit Blick auf die Drohung von Media-Broadcast-Chef Breuer schreibt er weiter: „Umso mehr schockiert es mich, dass einer Ihrer Mitarbeiter vorsätzlich diese Errungenschaften, die auch Ihrem Unternehmen die Existenzberechtigung geben, aus egoistischen Gründen mit Füßen tritt.“

Drei Stufen vom Sender zum Radio

Wie kommt Schwarz-Schilling zu diesen Anschuldigungen? Dazu muss kurz erklärt werden, wie die Verbreitung von analogem UKW-Hörfunk abläuft: Das Signal nimmt – grob nachgezeichnet – drei Stufen bevor es im Küchen- oder Autoradio ankommt:

Erstens wird in einem Studio Hörfunkprogramm produziert. Zweitens übernimmt dann – wenn der Programmveranstalter kein eigenes Netz hat – ein Sendernetzbetreiber wie Uplink dieses Programm, wandelt es um und übergibt das aufbereitete UKW-Signal – drittens – an den Betreiber der jeweiligen Antenne. Der strahlt es dann aus. Dafür zahlen die Unternehmen von Stufe zwei an die Antennenbetreiber.

Die Freenet AG, genauer gesagt deren Tochter Media Broadcast, hat Ende letzten Jahres seine 700 Antennen verkauft. Bis dato war das Unternehmen ein Quasi-Monopolist. Nun gibt es mehrere Besitzer. Doch von Preiskampf ist nichts zu sehen. Im Gegenteil: Die neuen Eigentümer sollen nun deutlich höhere Preise für die Nutzung einiger ihrer Antennen verlangen.

Minimonopol

Die Liberalisierung des Antennenmarkts hat zu nichts geführt. Konnte sie auch nicht: Bildet doch jede Antenne in ihrem Sendegebiet ein Minimonopol. Sie ist alternativlos. Und das trifft nun Firmen wie Uplink, das von Programmveranstaltern beauftragt wurde, den Senderbetrieb für sie zu gewährleisten.

Kann Uplink allerdings die Preise der Antennenbesitzer nicht zahlen, verliert es womöglich diese Aufträge – und dann wäre womöglich auf der Stufe zwei die Media Broadcast wieder im Spiel. Genau vor diesem Szenario scheint Schwarz-Schilling zu warnen.

Die Verhandlungen zwischen Sendernetzbetreibern und Antennenbesitzern sind übrigens laut Teilnehmern festgefahren. Es dürften also noch viele Briefe in der Sache folgen.

Quelle: www.taz.de

09Apr 2018

UKW-Sendern wurde mit Abschaltung gedroht – Uplink hat Knebelvertrag von Media Broadcast unterzeichnet

Von Dominik Brüggemann

Düsseldorf – Die drohende UKW-Abschaltung für 10 Millionen Radio-Hörer ist kurzfristig vom Tisch. Doch die beteiligten Unternehmen wie Uplink aus Düsseldorf sind mächtig sauer auf Media Broadcast. Wie lange bleiben die UKW-Radios in Betrieb?

Bundespostminister a.D. Christian Schwarz-Schilling
Bundespostminister a.D. Christian Schwarz-Schilling

Der ehemalige Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling hat sich inzwischen in den UKW-Streit eingeklinkt. Er ist Beiratsvorsitzender der im Streit beteiligten Uplink Network GmbH.

In einem Brief, der TAG24 vorliegt, schreibt er an Helmut Thoma, Chef der Freenet AG, deren Tochterfirma Media Broadcast den UKW-Streit ausgelöst hatte.

Die Firma hatte vergangene Woche offen gedroht, den Betrieb der UKW-Antennen einzustellen, wenn nicht die geforderten Preise bezahlt werden.

Höchstpersönlich schreibt er: „Ich bin mir sicher, dass es nicht Philosophie und Geschäftsgebaren Ihres Unternehmens ist, eigene Interessen mit der öffentlichkeitswirksamen Drohung durchzusetzen, Infrastruktur mit Grundversorgungsauftrag abzuschalten.“

Gerade die Freenet AG basiere auf einer erfolgreichen Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes.

Umso mehr schockiere es ihn, dass einer der Mitarbeiter diese Errungenschaften mit Füßen trete.

Die Forderung des Postministers a.D.: „Ich möchte Sie mit aller Eindringlichkeit bitten, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Der eingetretene Schaden ist bereits jetzt kaum noch zu beheben.“

Unternehmen bezeichnet Drohung als Poker

Michael Radomski, Geschäftsführer der Uplink Network GmbH aus Düsseldorf.
Michael Radomski, Geschäftsführer der Uplink Network GmbH aus Düsseldorf.

Michael Radomski, Geschäftsführer des Sendenetzbetreibers Uplink Network GmbH aus Düsseldorf, ist sauer auf die Media Broadcast.

Radomski versorgt deutschlandweit Radiosender mit UKW-Netztechnik und ist noch auf die Antennen angewiesen.

Seine Meinung zu der angedrohten UKW-Abschaltung: „Da wird offen Poker auf dem Rücken der Radio-Hörer gespielt.“

Inzwischen habe seine Firma unter dem angedrohten Aus „ein Knebel-Angebot von Media Broadcast“ unterschrieben, der den Weiterbetrieb absichert.

Das Handeln der Firma sei offensichtlich: „Es wird dreist versucht, die Deregulierung auszuhebeln.“ Denn eigentlich sollte eine Liberalisierung des Marktes zu günstigeren Preisen im Sendebetrieb führen.

„Wir wollten die Marktpreise senken. Die aktuellen Entwicklungen führen jedoch zu höheren Preisen als vor der Liberalisierung.“

Das führe soweit, dass die angebotenen Verkaufspreise für alte Antennen höher seien, als Kosten für einen Neubau durch Uplink. Dies behindere die Ziele eines offenen Marktes.

Die Bundesnetzagentur hat längst ein Auge auf die Media Broadcast geworfen, will überlange Verträge zwischen der Firma und Radiosendern verhindern. Ein Abschalten des UKW-Sendebetriebs ist mit den jetzt unterschriebenen Verträgen erstmal vom Tisch. Der Streit der beteiligten Firmen geht weiter.

Quelle: www.tag24.de

06Apr 2018

Aufschrei in der Radiobranche

Deutschen Sendern droht das UKW-Aus

Ab kommender Woche könnten zahlreiche Radiosender in Deutschland verstummen: Hinter den Kulissen streiten Dienstleister mit Antennen-Betreibern um die Gebühren. Schlimmstenfalls, so heißt es, wären bis zu zehn Millionen deutsche Radiohörer betroffen.

In einem Streit um die Bezahlung von UKW-Übertragung drohen Dienstleister mehreren großen Radiosendern mit einer Abschaltung. Das Unternehmen Media Broadcast kündigte an, in der kommenden Woche alle Sender stumm zu schalten, die den geforderten Bedingungen nicht rechtzeitig nachkommen wollen.

Hintergrund des Streits ist, dass Media Broadcast sich aus dem Geschäft mit den terrestrischen UKW-Antennen und Sendeanlagen zurückziehen will. Der Sendebetrieb wird von Media Broadcast nur noch übergangsweise bis zur Jahresmitte aufrechterhalten. Anschließend sollen Sendenetzbetreiber wie Uplink aus Düsseldorf und Divicon aus Leipzig die Ausstrahlung der Radioprogramme für die zahlreichen betroffenen Stationen übernehmen. Die erforderlichen Antennenanlagen wurden zuvor bereits an mehrere Investoren verkauft. Die neuen Eigentümer fordern jedoch nach der Übernahme der Antennen deutlich höhere Preise für die Nutzung.

Die Folge: Wenn sich die Radiobetreiber nicht binnen Tagen mit ihren neuen Sendedienst-Anbietern einigen können, wären die betroffenen Stationen schlimmstenfalls fürs Erste nicht mehr empfangbar – zumindest nicht über die terrestrisch ausgestrahlten Funksignale der Ultrakurzwelle (UKW), dem wichtigsten Frequenzbereich deutscher Radiosender.

Verkaufte Antennen, unklare Gebühren

„Bis zu zehn Millionen Hörer könnten schon ab Mittwoch von einer Abschaltung ihrer UKW-Radiosender betroffen sein“, sagte Media-Broadcast-Chef Wolfgang Breuer der „Welt“. Neben verschiedenen privaten Radiosendern droht auch großen Anbietern wie etwa dem MDR, dem NDR in Mecklenburg-Vorpommern und dem Deutschlandradio die UKW-Abschaltung. Die betroffenen Sender betreiben keine eigene Sende-Infrastruktur, sondern haben Uplink und Divicon beauftragt. Diese Firmen müssen mit den neuen Antennenbetreibern jedoch noch die Mietgebühren für die Nutzung der Sendeanlagen aushandeln, was bislang nicht gelungen ist.

Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) blickt man nach eigenen Angaben „mit Sorge“ auf die Entwicklung. „Unsere Hörerinnen und Hörer in Mecklenburg-Vorpommern dürfen nicht Opfer finanzieller Verhandlungen von technischen Dienstleistern werden“, sagte Sprecher Martin Gartzke. „Wir hoffen auf einen zügigen und konstruktiven weiteren Verlauf und Abschluss der Verhandlungen.“

„Ein bisschen Erpressung“

Betroffen von einer solchen Abschaltung wären jedoch auch zahlreiche kleinere Radiosender – für die ein solcher Schritt im Gegensatz zu den großen Sendeanstalten schnell existenzbedrohlich werden kann. Der Geschäftsführer des hessischen Privatsenders FFH, Hans-Dieter Hillmoth, etwa sprach von einem großen Poker um Verträge und Preise und nannte die Ankündigung eine Drohgebärde. „Letztlich ist das auch ein bisschen Erpressung.“

Seine Sendergruppe Hit Radio FFH habe pro Jahr etwa 2,5 Millionen Euro Senderkosten, erklärte Hillmoth. Die Antennenbesitzer verlangten nun teilweise bis zu 50 Prozent mehr, was für die rein über Werbung finanzierten Sender ein massives Problem darstelle. 80 Prozent der Radiohörer empfingen ihre Programme derzeit noch über UKW, fügte er hinzu. Entsprechend groß wäre der öffentliche Aufschrei, wenn es am Ende doch zu einer vorübergehenden Abschaltung käme.

Scharfe Kritik an den Drohszenarien von Media Broadcast kam auch von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wie dem Deutschlandradio: „Der Ausfall von UKW-Frequenzen ist vermeidbar und für Deutschlandradio nicht akzeptabel“, sagte dessen Verwaltungs- und Betriebsdirektor Rainer Kampmann. Sein Haus werde alle nötigen Schritte einleiten, um die UKW-Verbreitung sicherzustellen.

Letzte Frist bis Montagvormittag

Erste Anzeichen für eine gütliche Einigung vor Fristablauf machen indes Hoffnung: Damit die Beteiligten mehr Zeit für die Preisverhandlungen haben, erklärte sich Media Broadcast unter bestimmten Bedingungen bereit, noch bis Ende Juni den Betrieb von UKW zu gewährleisten. Dazu müsse das Unternehmen allerdings mit der Weiterverbreitung beauftragt werden – entweder von den Radioanbietern oder den neuen Sendernetzbetreibern.

Bislang seien bei Media Broadcast aber nur die Aufträge von einem Viertel der 40 betroffenen Radioveranstalter eingegangen, hieß es. Es gebe jetzt noch eine letzte Frist bis Montagvormittag. „Wer sich bis dahin nicht gemeldet hat, wird am Mittwoch abgeschaltet“, sagte Unternehmenschef Breuer der „Welt“.

Deutschlandradio-Vertreter Kampmann forderte alle Seiten dazu auf, „unverzüglich ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen und die nach dem Verkauf der UKW-Infrastruktur noch offenen Vertragsfragen schnellstmöglich zu klären.“ Die Radiosender sehen die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt ebenso wie die Politik in der Pflicht – sie sollen den massiven Auswirkungen des UKW-Antennenverkaufs entgegenwirken.

Sollte es „wider Erwarten“ doch zu Störungen oder Ausfällen kommen, drohte Kampmann auch den Dienstleistern auch rechtliche Schritte an. „Wir tun alles, um eine mögliche Abschaltung zu verhindern.“

Quelle: www.n-tv.de

21Mrz 2018

FEHLENDE MILLIONEN FÜR DIE DIGITALISIERUNG

 

Warum die Unruhe bei den UKW-Netzen nun auch DAB+ gefährdet

Felix Kovac, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR)

Felix Kovac, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) [Quelle: rt1.media group GmbH]


„Wir erleben ein Regulierungsversagen“, sagt der APR-Vorsitzende Felix Kovac. Für manche Programmbetreiber könnte die UKW-Verbreitung nach dem Ende der Regulierung viel mehr kosten. Eine Gefahr für die Veranstalter, aber auch für die Digitalisierung.


Die Landesmedienanstalten haben zu einem runden Tisch zur UKW-Verbreitung eingeladen. Was läuft aktuell schief bei der Liberalisierung der UKW-Netze?
Die Kosten effizienter Leistungserbringung waren bislang Grundlage für die Endkundenpreise und die Vorleistungen der Antennenmitbenutzung bei der Media Broadcast. Die Bundesnetzagentur hatte das im Detail nachgerechnet und die abgeschriebene passive Infrastruktur wie insbesondere die Antennen mit ihrem Buchwert einkalkuliert. Die Media Broadcast hat diese passive Infrastruktur nun zu einem großen Teil an im Markt unbekannte Firmen verkauft und zwar knapp unter einem Neupreis. Die Erwerber kalkulieren also mit sehr viel höheren Werten und das auch noch über kürzere Abschreibungszeiten. Wir schätzen die Mehrkosten für die Antennenmitbenutzung bei etwa 30 Prozent des bisherigen Niveaus.

Warum läuft die bisherige Regulierung der UKW-Netze ins Leere?
Wir erleben ein Regulierungsversagen. Die Bundesnetzagentur hat bislang die Dienstleistung der Media Broadcast einschließlich der Fälle der bloßen Mitbenutzung einer Antenne reguliert. Die freiwillige Aufgabe des Eigentums, also der Verkauf, führt nach der Auffassung der Bundesnetzagentur zum Ende der Regulierung, die neuen Erwerber sollen nicht reguliert werden. Das Bundeskartellamt verhält sich passiv und hat beim vergleichbaren Fall der Standorte ohnehin nicht die Kosten effektiver Leistungserbringung nachgerechnet, sondern nur anhand einzelner Beispiele geprüft, ob die Preise für alle gleich sind, ob also keine Diskriminierung vorliegt. Die Medienanstalten sehen keine Möglichkeiten der Abhilfe. Die Länder appellieren an die Bundesbehörden. Es sieht so aus, als nutze die Media Broadcast ungeniert eine Lücke in der deutschen Rechtsanwendung, wo  die APR nach bestehendem europäischem Recht Regulierungsansätze sieht.

Steht zu befürchten, dass die bisher unrunde Regulierung der UKW-Netzte die privaten Programmanbieter in ihrer Existenz bedrohen?
Die marktfremden Erwerber von Antennen haben aus Sicht des UKW-Marktes viel zu viel Geld an die Media Broadcast für die längst abgeschriebene, Jahrzehnte alte Technik bezahlt. Die wollen damit ein Geschäft machen, also hohe Preise erzielen. Die Senderbetreiber, wie beispielsweise die Firmen Uplink oder Divicon, habe nicht so viel Marge, das im Preis ihres Service wegzustecken. Und plötzlich schauen alle auf die Programmveranstalter – ein typischer Vertrag zulasten Dritter. Da der Wegfall der Regulierung auch dazu führt, dass die Härtefallklausel nicht mehr gilt, kann es sein, dass einzelne Standorte sehr viel mehr Geld als bisher kosten und sich einzelne Programmveranstalter das beim besten Willen nicht mehr leisten können. Das kann zwar auch nicht im Sinn der Erwerber sein, aber die von ihnen gezahlten Kaufpreise und die aufgemachten Kalkulationen bergen diese Gefahr in sich. Hier fehlt es an Kenntnis des Marktes, in den man sich eingekauft hat.

Inwieweit könnte eine zügige Umstellung auf DAB+ helfen, den terrestrischen Radiomarkt in Deutschland zu sichern?
Gar nicht. Radio ist auf absehbare Zeit zwingend auf UKW angewiesen. Wir haben jetzt ein Problem und die neuen Antennen-Eigentümer legen sehr langlaufende Verträge vor. Im Gegenteil: Die UKW-Entwicklung schadet dem DAB-Ausbau. Während eigentlich dringend benötigte Fördergelder für den Umstieg ausbleiben, wird durch etwaige Mehrkosten für die UKW-Infrastruktur in den nächsten Jahren ein ordentlicher zweistelliger Millionenbetrag aus dem Markt gezogen. Der fehlt bei der Digitalisierung, die ja auch bei Online in den kommenden Jahren Geld kostet. Außerdem erleben wir es, dass das bislang in UKW marktbeherrschende Unternehmen eine gleichartige Stellung bei DAB+ aufbaut. Wir kommen also bei der digitalen terrestrischen Übertragung in exakt die gleichen regulatorischen Probleme, wie wir sie gerade bei UKW erleben. Im Übrigen werden wir auch gegen dieses sich abzeichnende Monopol konsequent vorgehen.

Was fordert die APR von den Netzbetreibern und der Bundesnetzagentur? Wie kann ggf. die APR ihren Mitgliedern helfen?
Wir haben in der Vergangenheit unseren Mitgliedern aufgezeigt, wo in der bisherigen Liberalisierung Chancen lagen. Viele Programmveranstalter waren sehr aktiv und haben beispielsweise selbst Antennen gekauft und sind auf der sicheren Seite. Allerdings hat der intransparente Verkaufsprozess der Media Broadcast nicht allen Veranstaltern diese Chance eröffnet. Das Bundeskartellamt sollte prüfen, ob die Details dieses Verkaufsvorgangs durch das bislang marktbeherrschende Unternehmen korrekt gehandhabt wurden. Die Bundesnetzagentur sollte ihre Zurückhaltung bei der Gewährung des Zugangs zu passiver Infrastruktur und der Kontrolle der Preise nach dem Maßstab der Kosten effektiver Leistungserbringung aufgeben. Aber am Ende brauchen wir Rechtssicherheit, die wohl nur der Bundesgesetzgeber durch eine Änderung des Telekommunikationsrechts und möglicherweise auch des Kartellrechts herstellen kann. Hieran arbeitet die APR, während Preisverhandlungen von Verbänden schon aus kartellrechtlichen Gründen keine Option sind.

Quelle: www.meinungsbarometer.info

16Mrz 2018

Die Hörfunkverbreitung über UKW soll ohne Unterbrechung über den 31.03.2018 hinaus unverändert fortgeführt werden. Darauf einigten sich die Beteiligten am runden Tisch der Landesmedienanstalten. Die Gespräche zwischen den Marktbeteiligten benötigten mehr Zeit, damit die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Ende geführt werden können.

Ziel des Runden Tisches war die Klärung offener Fragen, die durch den Verkauf der Infrastruktur im Markt entstanden sind. Der besondere zeitliche Druck entstand zum einen durch den mehrheitlich zum 1. April eintretenden Eigentumsübergang sowie die Ankündigung einzelner Investoren als Käufer der Antennen, für den Fall, dass die Vertragsverhandlungen bis dahin nicht abgeschlossen seien, die Übertragung an den betroffenen Standorten unterbrechen zu wollen.

Quelle: www.vprt.de

14Mrz 2018

Erst hatte der Gesetzgeber den Markt der UKW-Infrastruktur für Wettbewerber geöffnet, jetzt sorgt sich der Beirat des Netzagentur nach dem Verkauf der Antennen an Finanzunternehmen und Übertragungs-Dienstleister um die Zukunft des Segments. Denn das von hochkarätigen Politikern besetzte Beratungsgremium sieht die wirtschaftliche Existenz vieler Marktteilnehmer bedroht.

Von Gregory Lipinski

Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich Media Broadcast (MB) von allen UKW-Sendeantennen getrennt. Ob Übertragungsdienstleister oder Finanzunternehmen – eine Vielzahl von Gesellschaften erwarb die Antennen-Infrastruktur von der Kölner Freenet-Tochter. Die Gesellschaft hatte sich hiervon aus strategischen Gründen getrennt. Anlass hierfür war vor allem die veränderte Konkurrenzsituation. Denn jahrelang befand sich der Dienstleister als Quasi-Monopolist in einer komfortablen Lage. Als jedoch 2012 das Telekommunikationsgesetz geändert wird und die restriktive Vergabe von Sendelizenzen endet, öffnet sich die Branche. Erstmals treten Wettbewerber auf den Markt – darunter der Düsseldorfer Dienstleister uplink Network.

Jetzt treibt der gewollte Öffnung und der Verkauf der UKW-Radioantennen an diverse Unternehmen dem Beitrat der Bundesnetzagentur die Sorgenfalten ins Gesicht. Denn die Ziele der Regulierung drohen „ins Leere zu laufen“, stellt dieser jetzt fest. Der Grund: die neuen Eigentümer der UKW-Antennen sollen Preise aufgerufen haben, die „deutlich über dem bisherigen Niveau“ liegen. Einigen sich die neuen Inhaber der UKW-Antennen nicht bei der Preisgestaltung, könnten die UKW-Stationen und die neu auf den Markt getretenen Übertragungsdienstleister vor dem Aus stehen. Wörtlich. „Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, steht die Weiterverbreitung der Signale beziehungsweise die wirtschaftliche Existenz der Wettbewerbsunternehmen und damit auch der Erfolg des bisherigen Regulierungsregimes in Frage“, betont der Beirat. In diesem Fall könnte Media Broadcast „wieder konkurrenzloser Betreiber“ werden – sprich Wettbewerber wie Uplink Network gerieten hierdurch in die Bredouille.

Der Beirat fordert deshalb die Bundesnetzagentur auf, die „bereits begonnenen Gespräche mit den Beteiligten mit Hochdruck fortzusetzen“, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Der Druck auf die Netzagentur ist groß. Denn die Mahnung des Beirats hat Gewicht, zudem ist er prominent besetzt. Das Beratungsgremium besteht aus 16 Mitgliedern des Bundestags und 16 Vertretern des Bundesrats. Zum neuen Vorsitzenden des Beirats wurde vor Kurzem Joachim Pfeiffer ernannt. Er ist seit 2014 wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sein Stellvertreter ist Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz in Niedersachsen.

Quelle: meedia.de

26Feb 2018

Das Internet und der 5G-Mobilfunk werden mit IP-basierten Übertragungen klassische Broadcast-Techniken wie DAB+ und DVB-T2 überflüssig machen, so tönt es regelmäßig. Einer, der es wissen muss, hat sich nun hierzu geäußert: Der Münchner Funkmesstechnik-Spezialist Rohde & Schwarz.

Wendelstein (Bild: © Rohde & Schwarz)

Wendelstein (Bild: © Rohde & Schwarz)

So, wie Mark Twain einst schrieb, dass die Berichte über sein Ableben stark übertrieben seien, hat sich der Münchner Funkspezialist Rohde & Schwarz aktuell zur Frage geäußert, ob die klassische terrestrische Rundfunkabstrahlung nicht sehr bald durch IP-Übertragungen – also Zuführungen via Internetprotokoll, kabelgebunden und über Mobilfunk – ersetzt und damit überflüssig werde, ihr Ende also kurz bevor stehe:

Berichte über das Ende terrestrischer Abstrahlungen sind ‘etwas’ übertrieben.

Der Hersteller ist in beiden Bereichen – klassische Rundfunktechnik und GSM-Mobilfunk – verwurzelt und deshalb frei vom Verdacht, hier in irgendeiner Weise parteiisch zu sein.

Die Aussage: Zwar ist in den Ballungsräumen mittlerweile durchaus eine Radio- und Fernsehversorgung über ein Internetprotokoll möglich, ob per Festnetz oder Mobilfunknetz. Auf dem Land und vor allem in vielen anderen Ländern weltweit ist aber die klassische terrestrische Rundfunkversorgung auch für die nächsten 5 bis 10 Jahre noch konkurrenzlos, weil keine flächendeckende Internetversorgung ausreichender Bandbreite gegeben ist – ob über Mobilfunk mit 5G oder Kabel. Satelliten wiederum sind nur für den ortsfesten Empfang geeignet. Daran ändern auch bei 5G verfügbare Techniken wie Multicast nichts oder der Update 14 bei LTE, der nun reine LTE Broadcast (Download only)-Zellen ermöglicht.

Die Mehrzahl der Fernsehzuschauer empfängt auch heute noch über Antenne und in vielen Ländern sogar ausschließlich. Und auch, wenn der Münchner Hersteller an der Weiterentwicklung der Mobilfunknetze aktiv beteiligt ist, sieht er die klassische Broadcast-Technik noch lange nicht auf dem Abstellgleis.

Quelle: www.radioszene.de

30Jan 2018

Milaco und aeos kaufen UKW-Antennen von Media Broadcast

Das Kölner Finanzunternehmen Milaco GmbH soll in größerem Umfang UKW-Antennen von Media Broadcast gekauft haben. Das berichtet der Nachrichtendienst SatelliFax unter Berufung auf mehrere Radioveranstalter.

Die Bundesnetzagentur wollte sich zu den Informationen in dem Artikel nicht äußern. Ein Sprecher der Behörde bestätigte jedoch gegenüber RADIOSZENE: “Nach Kenntnisstand der Bundesnetzagentur plant die Milaco GmbH UKW-Antennen von Media Broadcast zu erwerben.”

Media Broadcast hat den betroffenen Radioveranstaltern inzwischen mitgeteilt, welche Unternehmen die UKW-Antennen erworben haben, über die sie senden. “Sowohl Programmveranstalter und Sendernetzbetreiber als auch Investoren haben UKW-Infrastrukturen erworben. Die Käufer der Infrastrukturen wurden den heutigen Nutzern – sofern sie nicht selbst der Erwerber sind – bekannt gegeben”, sagte ein Sprecher von Media Broadcast gegenüber Radioszene.de “Eine darüberhinausgehende Kommunikation ist nicht vorgesehen.” Medienberichte zu dem Thema werde Media Broadcast nicht kommentieren, betonte der Sprecher.

Media Broadcast hatte im Februar 2017 angekündigt, sich von seinen UKW-Antennen und -Sendern zu trennen, um sich auf die digitalen Verbreitungswege DAB+ und DVB-T2 zu fokussieren. Als Dienstleister will das Unternehmen im UKW-Markt aber weiterhin Dienstleistungen im Bereich Sendertechnik, Antennenwartung und Netzdienstleistungen erbringen.

Der Verkauf der UKW-Antennen erfolgte im Rahmen einer elektronischen Auktion, die Mitte Dezember 2017 abgeschlossen wurde. Dabei wurden nach Angaben von Media Broadcast für alle Antennen Käufer gefunden.


Updates vom 23.01.2018:

MEDIA BRODCAST: Nicht alle UKW-Sender wurden verkauft

Während für alle UKW-Antennen Käufer gefunden wurden, ist das nicht bei allen UKW-Sendern der Fall. “Am 15. Dezember 2017 endete planmäßig die letzte Phase des Verkaufsprozesses der UKW-Infrastruktur. Für alle UKW-Antennen wurden Käufer gefunden. Ein Teil der Sender wurde nicht verkauft”, bestätigte ein Sprecher von Media Broadcast gegenüber RADIOSZENE. “Um einen Weiterbetrieb zu gewährleisten, bietet Media Broadcast jedoch individuelle Services inklusive Senderinfrastrukturen an. Darüber hinaus stehen diese Services grundsätzlich allen Radioveranstaltern langfristig zur Verfügung.”

 

aeos energy kauft 120 UKW-Sendeantennen darunter die am Berliner Fernsehturm

aeos energyDie Solinger Beteiligungsgsgsellschaft aeos hat von der Media Broadcast ein Paket von 120 UKW-Sendeantennen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen erworben, unter anderem auf dem Berliner Alexanderplatz sowie in Wuppertal im Bergischen Land. Bis Ende März 2018 soll die Übergabe der technischen Anlagen erfolgen. Über die Konditionen der Transaktion haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die bisherigen Geschäfstfelder der aeos energy sind Windenergie, Solarenergie und Immobilien.


Laut APR haben also bis jetzt folgende Unternehmen Antennen von der Media Broadcast erworben:

  • Audio Media Service Produktionsgesellschaft mbH & Co. KG (AMS), Bielefeld
  • Niedersachsen Broadcast GmbH, Hannover
  • NiedersachsenRock21 GmbH & Co. KG, Hannover
  • Radio RocklandPfalz GmbH & Co. KG, Mainz
  • SBW Sendernetzbetrieb Baden-Württemberg GmbH, Stuttgart

sowie einige Landesmedienanstalten für nicht-kommerzielles Radio. Offenbar haben die Divicon Media Holding GmbH, Leipzig und die Uplink Network GmbH, Düsseldorf, keine Antennen erworben. Neu als Eigentümer sind bekanntgeworden:

  • Aeos Infrastruktur GmbH, Solingen
  • Baum Broadcast GmbH i.G., Köln
  • Deutsche UKW Infrastruktur- und Vermarktungs GmbH, Bad Kreuznach
  • KIO Vermögensverwaltungs GmbH, München
  • MILACO GMBH, Köln (siehe oben)

Quelle: www.radioszene.de